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01.06.2016
Junges Bürgertheater begeisterte mit einer Theaterfassung von Momo

Von: art

Begeisterung fürs Theater schweißt zusammen

"Ich habe keine Zeit für dich", sagt Maria Ergeletzi als Gastwirtin Nona zu Momo (Havvanur Yasar). "Ich will mehr Sachen haben", sagt Hannah Beckstett als Puppe Bibigirl ebenfalls zu Momo. Dies sind zwei Kernsätze der Theaterfassung des Buches "Momo" von Michael Ende, eine Aufführung des jungen Bürgertheaters an der Badischen Landesbühne (BLB), die am Mittwoch im Hexagon Premiere hatte. Diese Sätze zeigen die Entwicklung von Menschen, die anfangs Zeit für einander hatten, sich Geschichten erzählten und miteinander spielten. Bis die "Grauen Herren der Zeitsparkasse" auf den Plan treten, von Effizienz reden und von Zeitverschwendung. Damit rauben sie den Menschen die Zeit. Und Momo ist die Einzige, die etwas dagegen tun kann. Mit "Wir wollen mehr Zeit!" organisiert sie eine Demonstration gegen die "Grauen Herren." So ist das Stück handfeste Kritik an einer Haltung, die die Jugendlichen am eigenen Leib erfahren, wenn nämlich Eltern keine Zeit mehr für sie haben, aber stattdessen teure Geschenke machen und wenn sich Freunde nicht mehr treffen, um miteinander zu spielen. All das stellen die Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren sehr überzeugend dar in ihrer Spielweise, ihrer Sprache, in Gestik und Mimik. Unter der Leitung von Ramona Parino von der BLB und der ehrenamtlichen Begleitung von Erika Manner haben sie intensiv Grundtechniken des Theaterspielen erlernt und sich mit dem Inhalt des Stückes auseinandergesetzt. Herausgekommen ist eine Aufführung die riesigen Applaus erhielt und mehrere "Vorhänge" und Eltern mit Recht stolz auf ihre Kinder gemacht hat. Den jungen Akteuren gelang es ausgezeichnet, die Kälte und Berechnung der "Grauen Herren" darzustellen, die Umwandlung der Menschen durch den Zeitraub, aber auch als Gegensatz dazu die Unbefangenheit von Momo, die Besonnenheit und Listigkeit von Meister Hora, dem Herrn der Zeit, und der Schildkröte Kassiopeia. In dieser Rolle beachtenswert der "Schildkrötengang" von Hannah Beckstett, den sie konsequent in allen Szenen durchhielt - auch wenn Momo sie aufforderte: "Nun geh doch mal etwas schneller!" Ein sparsames, aber kreatives und flexibles Bühnenbild mit Mülltonnen und Bauzaun sowie die phantasievollen Kostüme unterstreichen die Handlung und das Theaterspiel.

Das junge Bürgertheater hat Jugendliche unterschiedlicher Herkunft zusammengeführt. Die Begeisterung fürs Theaterspielen hat sie zu einer festen Gruppe werden lassen. "Die Proben und der Auftritt haben uns viel Selbstvertrauen gegeben", sagt Havvanur Yasar (Momo). "Und der Inhalt des Stückes hat uns auf das notwendige Miteinander der Menschen aufmerksam gemacht, dass wir uns Zeit nehmen sollen füreinander." Diese inhaltlichen Aspekte haben auch die Bürgerstiftung bewogen, die Aufführung mit einem erheblichen Betrag zu fördern, ebenso die Bildungsstiftung, die Sparkasse Kraichgau und die Stadt Bruchsal. "Wir wollten mit dieser Förderung das Anliegen der Heimattage aus dem vorigen Jahr weitertragen", sagt Gilbert Bürk, Vorstand der Bürgerstiftung "und jungen Menschen das Theaterspielen ermöglichen unter professioneller Anleitung." Gleichzeitig sei dies ein Projekt zur Sprachförderung und Persönlichkeitsbildung. (art)

 

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